Berichte

 Bericht April 2016 – März 2017

Liebe Freunde

2016 gingen auf die Konti der Hans Haller-Stiftung Fr. 110’320.- ein. Damit übertrafen wir das Rekordergebnis von 2015. All unseren Gönnern von Geld, Naturalien und Dienstleistungen danken wir an dieser Stelle von Herzen. Mit Children – for a better World unterstützt uns erstmals eine deutsche Stiftung. – Enwickelte sich der Real im 2015 sehr erfreulich für uns, war im 2016 und Anfang 2017 das Gegenteil der Fall. Ende 2015 erhielten wir für einen Franken rund 4 Reais. Jetzt sind es noch 3 Reais.

Seit 6 Jahren ist das Projekt ‚Glückliche Jugend’ ein voller Erfolg! – Zurzeit betreuen wir 44 Kinder ohne Familie. Sie sind Waisen oder wurden von ihren Verwandten verstossen. Fünfzehn Ersatzmütter erziehen sie wie ihre eigenen Söhne und Töchter. Pro Kind zahlen wir ihnen monatlich einen fixen Betrag (Kost, Logis, Entgelt) von R$ 380.- (ca. Fr. 125.-).

Abnaécia (8) und die Zwillinge Tayna und Taynara (je 5) geniessen das familiäre Umfeld bei Janaina und deren Tochter Guga. Abnaécia besucht die 3. Klasse, die Zwillinge den Kindergarten. 

Sandra, die Leiterin des Projektes und Präsidentin der privaten Kinderkrippe Tia Sandra in Igarassu mit 70 Kindern ist eine Mutter für Gabriela (13), Woshinton (10), Ana Paula (17) und deren Tochter Ana Carla (3). Gabriela und Woshinton leben seit dem AIDS-Tod ihrer Mutter Anfang 2011 bei uns. Wir belohnten Gabrielas Lernwillen und schicken sie seit 2016 auf eine Privatschule (8. Schuljahr). Woshinton kommt jetzt in die 5. Klasse einer einfacheren Privatschule. – Ana Paula versteht sich mit Sandras Tochter Alexsandra. Sie hilft in deren Laden, verkauft mit ihr Kleider, die sie zum Teil selber genäht hat. In der Schule macht sie Fortschritte. Ende 2018 erreicht sie die Mittlere Reife. Sie nutzt die Zeit bei uns gut. Für Ana Paula werden wir noch bis im Juli 2017 zahlen. Dann wird sie 18. Ab diesem Alter muss sie selber für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sie wird bei Sandras Familie bleiben, dort ein Kostgeld entrichten oder in der Krippe helfen. Ana Carla werden wir weiter unterstützen.

Everton (9) und Marcinho (8) besuchen die Schule. Gegenüber früher ist jetzt auch Marcinho ruhiger. Er hält psychologische Betreuung. Wir lassen die beiden regelmässig ärztlich kontrollieren (wegen der Leukämie bei Everton). Sofia (6)  nimmt immer ihren Medikamentencocktail (HIV). Sie besucht den Kindergarten. Sie hat sich etwas geöffnet und schreibt inzwischen ihren Namen.

Ana Paula (9) und Anderson (8) sind im 4. bzw. 3. Schuljahr. Sie besuchen die gleiche Schule wie die Kinder von Josefa. Seit 4 Jahren warten wir auf ihre Registrierung!

Miguel (5) und Mariana (4) begannen jetzt mit dem Kindergarten. Mariana entwickelt sich trotz Milchallergie erfreulich. Sie ist fröhlich und aufgestellt.

Kethelyn (8) und Lucas (10) machen sich gut. Kethelyn besucht die 2. Lucas die 3. Klasse, Sara den Kindergarten. Sara (6) lassen wir regelmässig wegen ihrer Blutarmut behandeln. ‚Mutter’ Elisabete renovierte ihr Haus dank einem Vorschuss von uns.

Zu Maria Eduarda (14), Pedro (11) und Kauan (8) gibt es nicht viel Neues zu sagen. Sie schlossen das Schuljahr erfolgreich ab. Wie Woshinton fördern wir auch Pedro fussballerisch.

Die Geschwister Artur (4), Maria (5) und Paulo (3) sind fester Bestandteil von Maria da Conceiçãos Familie. Sie will die Drei so bald wie möglich adoptieren. Das ist sehr erfreulich!

Mitte Februar brachte eine Frau die 3jährige Bianca in die Krippe. Die Mutter hatte sie ausgesetzt. Seither verbrachte die Kleine die Zeit bei Anwohnern und erhielt von diesen auch Nahrung. Am 18.3. nahmen wir Alice Vitoria auf. Sie war 16 Tage alt. Die drogensüchtige 16jährige Mutter verschwand und liess das Mädchen beim drogenabhängigen 19jährigen Vater zurück. – Lucia hilft seit 2 Jahren als Freiwillige in der Krippe Tia Sandra. Sie hat Bianca und Alice aufgenommen und wird ihnen eine Ersatzmutter sein. In den nächsten Wochen werden wir Lucia ein weiteres Kind anvertrauen.

Bei ‚Mutter’ Fabiana leben Luciene, deren Tochter Yasmin (3), Mateus (1) und seit Dezember 2016 Glebisson (4). Für Luciene zahlen wir seit November nicht mehr, da sie das 18. Altersjahr vollendete. Sie wohnt jedoch weiterhin bei Fabiana, hilft ihr im Haushalt, bei den Kindern und verrichtet abwechselnd mit ihr z. B. Putzarbeiten, bei denen sie etwas Geld verdienen. Luciene kann inzwischen etwas Schreiben, hat aber Mühe mit dem Lesen. Sie vergisst jeweils wieder, was sie las. Mateus ernähren wir speziell, leidet er doch wie Mariana an einer Milchallergie. Er macht sich gut.

Glebisssons Mutter setzte den Jungen als Kleinkind aus. Seither lebte er bei etwa 10 Familien. Niemand wollte ihn behalten. Entsprechend liegt er bei der Entwicklung für sein Alter zurück. Hoffen wir, dass er bei uns zur Ruhe kommt und eine glückliche Jugend verbringt. Er besucht neu den Kindergarten.

Im November 2015 begannen wir das ‚Experiment’ mit den Geschwistern Vitoria, Davi, Sabrina, Mesias und Antonio. Vitoria betreute ihre jüngeren Geschwister, Sandra und Marta überwachten sie, standen ihr bei, zahlten Rechnungen, Miete, Lebensmittel, usw. Ein Jahr lang ging das gut. Im Januar 2017 mussten wir uns von den Geschwistern trennen. Sie hatten ihre Chance nicht genutzt: Vitoria hatte uns angelogen. Sie ist nicht 17, sondern 21. Antonio ist nicht ihr Neffe, sondern ihr Sohn. Sie prostituiert sich und ist mit einem Gefängnisinsassen liiert. Davi und Sabrina haben ein Verhältnis das viel intimer ist als bei Geschwistern üblich. Wir konnten die Verantwortung für die Familie leider nicht mehr übernehmen.

João (12) besuchten wir mehrmals in der Privatschule und sprachen auch mit den Lehrkräften. Normalerweise lobten sie ihn. Im Oktober hatte sich sein Verhalten jedoch verschlechtert. Wir stellten ihn und seine ‚Mutter’ Jô zur Rede. Als wir Ende November wieder vorbeischauten, hatte sich die Lage beruhigt. Wahrscheinlich steckt der Junge in der Pubertät.

Für die Geschwister Wilames (11) und Lais (10) sowie Maysa (5) wie den andern Kindern ihrer ‚Familie’ ist Cristina eine liebevolle, aber auch strenge Mutter. Es scheint ihr Schicksal zu sein, auch fremde Kinder aufzuziehen.

Ana hat nach dem Tod ihrer Tochter die Mutterrolle für ihre Enkelinnen  Maria Eduarda (8) und Maria Heloisa (6) übernommen. Die Familie nutzt die von uns gebotene Chance. Maria Eduarda besucht jetzt die 2. Klasse, Maria Heloisa die Alphabethisierung.

Gabriela (16), Gabriel (14), Milca (12), Mikaele (9), Miguel (5) und Miqueias (4) leben seit gut 2 Jahren bei ihrer Ersatzmutter Maria, einer Cousine 3. Grades. Im Frühling 2016 schossen wir ihr Geld vor. Sie renovierte das abbruchgefährdete Häuschen. Der Einsatz hat sich gelohnt. Das Heim ist sicherer und wohnlicher. Auch die Kinder machen sich gut.

Mikael (8) besucht das dritte Schuljahr, Vitoria (9) das vierte und Mayara (8) die zweite Klasse. Angélica sorgt gut für die Drei. Auch ihr einfaches Haus ist jetzt sicherer.

Tawane (12), Thais (10) und Willian (8) leben seit März 2016 bei der 28jährigen Fernanda. Diese war damals schwanger, ohne Partner und ist inzwischen Mutter eines eigenen Babies.

Neben den monatlichen R$ 380.- (ca. Fr. 125.-) zahlen wir auch Aufwändungen wie teure Medikamente, Schuhe und Kleider vor Weihnachten, Schulmaterial, Kinderbetten, Transportkosten, usw. Pro Jahr budgetieren wir durchschnittlich pro Kind Fr. 1’750.-

Der Erfolg des Projektes Glückliche Jugend hängt auch von den finanziellen Mitteln ab. Wir suchen deshalb dringend Gönner, die weiteren Kindern eine glückliche Jugend ermöglichen.

Familienplanung ist unser ältestes Projekt und ist uns immer noch wichtig. Das Spital Igarassu unterband 2016 10 Frauen und nahm bei 44 Männern eine Vasektomie vor. Im Gegenzug kaufen wir für das Spital benötigtes Material. Dass es nicht mehr Unterbindungen gab, lag daran, dass der OP-Trakt seit über 6 Monaten nicht funktioniert ….

2016 gaben wir 296 gebrauchte Hörgeräte ab. 259 davon in den Gemeinden Abreu e Lima, Itamaraca und Igarassu (alle in Pernambuco). Die restlichen 37 Stück erhielten Bewohner des Bundesstaates Rio Grande de Norte. Per Dezember 2016 endeten die Amtsperioden der Bürgermeister. Das heisst, es beginnt wieder alles von vorne: Wir müssen neue Partnerschaften mit Städten suchen. Die Bürokratie macht uns zu schaffen.

Im Bereich der Kinderhilfe heissen unsere Partner seit vielen Jahren Kinderkrippe Tia Sandra und Verein ÀGUA-VIVA (www.agua-viva.ch) . – Die Krippe Tia Sandra ist eine wichtige Stütze für die Familien im Quartier. Statt dass die Stadt hilft, wirft sie ihr immer wieder Knüppel zwischen die Beine. Ohne uns wäre die Krippe seit Jahren geschlossen. Wir kaufen monatlich Lebensmittel für R$ 5’000.- (beim jetzigen Umrechnungskurs ca. CHF 1’700.-).

Die Patenschaften (10 Kinder) beim Verein ÀGUA-VIVA führen wir seit 2008. Patinnen zahlen die Beiträge für weitere 4 Kinder via uns. Die Zusammenarbeit mit Christoph Steiner-Oliveira (Verantwortlicher der Àgua Viva-Projekte) ist nach wie vor sehr gut. Àgua Viva hilft Kindern und Familien auch in Sondersituationen. So finanziert der Verein für inzwischen 15 Kinder Privatschulen, für begabte Jugendliche Malunterricht, kauft Baumaterial für die Verbesserung der Wohnsituation von sehr armen Familien oder hilft sonst, wo die Not gross ist. Gerne vermitteln wir weitere Projektpatenschaften für Fr. 25.- pro Monat.

Im September begannen wir das Projekt Rette die Umwelt. In den Städten Paulista und Igarassu sammeln Jugendliche auf Brachen oder Wiesen Abfall. Sie machen darauf aufmerksam, dass nicht auf Kosten der Umwelt entsorgt wird. Die Anwohner sollen sich an eine saubere Umgebung gewöhnen. Wir helfen ihnen auch beim Erstellen von Abfalldeponien, welche die städtische Müllabfuhr regelmässig leert. Unten ist die erste davon in Paulista. Wir gaben bereits das Geld (ca. Fr. 120.-) für eine zweite. In kleinen Schritten kommen wir vorwärts.

Wir bedanken uns im Namen der betroffenen Mitmenschen und den Kontaktpersonen in Brasilien bei allen herzlich, die zum Gelingen unseres Werkes beigetragen haben und weiter helfen werden. Unser Einsatz ist auch in Zukunft sehr willkommen.

HANS HALLER-STIFTUNG