Familienplanung

Familienplanung

Als einen der Hauptgründe für das Leiden der Strassenkinder sieht Hans Haller die fehlende Familienplanung vor allem bei den unteren Bevölkerungsschichten. Mehr als 10 Kinder sind keine Seltenheit. Der Vater kümmert sich oft nicht um seine Familie. Die Mutter kann nicht alle ernähren und ihnen eine Zukunft ermöglichen. So landen viele auf der Strasse …

Unzählige Frauen wünschen sich eine Unterbindung. Ihnen fehlt jedoch das Geld dazu. Zusammen mit Cristiano Finale aus Zürich (www.fina-tours.ch) finanzierte die Stiftung zwischen 1992 und 1997 48 armen Frauen eine Unterbindung in einer sauberen Privatklinik. Ab 1998 können sich über 25jährige Frauen mit zwei und mehr Kindern in öffentlichen Spitälern gratis unterbinden lassen. Die Stiftung macht Kandidatinnen auf dieses neue Gesetz aufmerksam und berät sie (Kondome, Pillen, Spirale, Unterbindung). Sie kämpft auch bei den Behörden, dass in den Spitälern die Strukturen und Kapazitäten für Unterbindungen geschaffen werden.

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Die Stiftung motiviert die Städte Paulista, Igarassu, Orobo und Olinda an den Schulen Kurse im Bereich Familienplanung durchzuführen.

Die Stadtverwaltung Igarassu unterstützt schwangere Frauen während und nach der Schwangerschaft. An Versammlungen hören sie auch über Familienplanung. Frauen, welche die obigen Bedingungen erfüllen, und die es wünschen, wird eine Unterbindung ermöglicht. Die Absolventinnen erhalten während der Betreuungsphase Lebensmitteltaschen und eine ‚Kleinkinderaussteuer‘. Die Stiftung beteiligt sich an diesem Projekt.

Seit Februar 2002 unterbindet das Spital von Igarassu arme Frauen, die Hallers Kontaktleute schicken. Leider klappt das noch nicht im gewünschten Rahmen. Bürgermeister Ninho entschied im August 2005 im Beisein des Gesundheitsverantwortlichen und der Spitaldirektion, dass innerhalb von 60 Tagen das Spital für Unterbindungen eingerichtet sein müsse. Die Verantwortlichen hielten den Termin ein: Ende September sandten sie Fotos einer Unterbindung im Spital. Umbauten im OP-Trakt des Spitals verzögerten das Projekt immer wieder.

Im Herbst 2008 war das Spital in Igarassu endlich so weit. Führten sie im 2008 57 Unterbindungen und 14 Vasektomien durch. Sind es im ersten Semester 2009 130 Unterbindungen! – 2011 sind es per Ende Juli 23 Unterbindungen und 12 Vasektomien.

Im Sommer 2002 begann auch Orobo mit Vorträgen über Familienplanung. Interessierte Frauen erhalten eine Spirale. Eine andere wurde bei der Geburt ihres 12. Kindes mit Kaiserschnitt gleichzeitig unterbunden. Gemäss einer Aufstellung verteilte das Gesundheitsamt 2002 1’950 Kondome. 2003 stieg diese Zahl auf 11’500 gar auf 18’000! Die Zahl der Pillen erhöhte von 4’800 im Jahre 2002 über 10’600 (2003) auf 92’000 im 2004! Jedes Semester erwarten wir eine Liste der operierten Frauen und Männer.

In Olinda stiessen die Verantwortlichen der Stiftung auf offene Ohren. Es ist ein Ziel der Stadtregierung, in der Familienplanung voranzukommen und auch Unterbindungen sowie Vasektomien durchzuführen. Regelmässig erhält die Stiftung Berichte über die Daten der Operierten Männer und Frauen.

Seit sich Hans Haller 1992 für die Familienplanung in Brasilien engagierte, hat er einen klaren Geburtenrückgang festgestellt. Der Staat fördert inzwischen auch die Familienplanung und Aufklärung an den Schulen. Diese Entwicklung führt Haller jedoch nicht auf seine Arbeit zurück. Ein Umdenken bei der Bevölkerung hat stattgefunden, bzw. findet immer noch statt.

Die Regierung Lula zahlt armen Frauen in ländlichen Gebieten ein Geburtengeld von rund Fr. 500.–. Diese gutgemeinte Aktion sollte unter anderem den Kauf einer Babyaussteuer ermöglichen. Leider hörten wir von Frauen, die dafür einen neuen Kühlschrank kauften, obwohl ihre Hütte fast einstürzte oder einen alten VW-Käfer anschafften, den sie bald einschossen oder die das Geld versoffen. Solche Frauen wollen möglichst viele Kinder gebären, um die Prämie zu erhalten …